Standorte / Chroniken der TrTeile

Standort Göttingen

Panzergrenadierbrigade 4

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(Aufstellung 1956 und Auflösung 1993)

Heeresstruktur 1 (1956 – 1959)
Die ersten Planungen für die sogenannte Heeresstruktur 1 waren darauf ausgerichtet, möglichst schnell einen deutschen Beitrag zur NATO zu leisten. Unter Vereidigungsminister Franz-Josef Strauß wurde der Friedensumfang des Feldheeres Ende 1956 auf zunächst 195.000 Soldaten festgelegt. An dem bereits unter seinem Vorgänger Blank vorgesehenen NATO-Beitrag von zwölf Divisionen wurde festgehalten, wenn auch bei der Personalstärke Abstriche gemacht werden mussten (Ende 1958 betrug die IST-Stärke des Heeres etwa 100.000 Mann). Um die außerordentlich schnelle Aufstellung überhaupt realisieren zu können, wurden neu aufgestellte Verbände etwa im Halbjahresrhythmus geteilt und aufgefüllt. Diese notwendige Vorgehensweise ging jedoch zu Lasten des Erreichens der Einsatzbereitschaft. So konnte die NATO-Unterstellung aller zwölf Divisionen nicht wie geplant 1959 abgeschlossen werden.
Aufgabe des Feldheers war es, im Rahmen der NATO-Strategie gemeinsam mit an-deren NATO-Streitkräften, einen eingedrungenen Feind zurückzuwerfen und verlorenes Territorium zurückzugewinnen. Der Kampfpanzer M 47 war während der Heeresstruktur 1 das Hauptwaffensystem des Heeres.
Im Mai 1958 wurde die Kampfgruppe C 2 eingerichtet und der 2. Grenadierdivision als dritte Kampfgruppe unterstellt. Der Kampfgruppe C 2 unterstanden die Panzergrenadier-bataillone 41, 42 und 43.

Heeresstruktur 2 (1959 – 1970)
Schon Ende 1959 konnte die Umgliederung des Heeres als weitgehend abgeschlossen betrachtet werden. Zu diesem Zeitpunkt waren elf Divisionen mit insgesamt 27 Brigaden aufgestellt und das Heer verfügte über 148.000 Mann. Im Rahmen der Neugliederung waren die Grenadierdivisionen in Panzergrenadierdivisionen umbenannt worden. 1970 betrug der Personalumfang des Heeres gut 300.000 Mann.
In der neuen Heeresstruktur wurde auch die Ausrüstung des Heeres wesentlich ver-bessert. Die Panzerkompanien erhielten jeweils 17 amerikanische Kampfpanzer Typ M, die Panzergrenadierkompanien wurden mit dem Schützenpanzer HS 30 ausgestattet. In der zweiten Hälfte der 60er Jahre erfolgte die Beschaffung einer neuen Waffengeneration mit den deutschen Waffensystemen Kampfpanzer LEOPARD, Schützenpanzer MARDER, dem Kanonen- und Raketenjagdpanzer sowie dem Mannschaftstransportpanzer M 113 und dem Transporthubschrauber Bell UH-1D.
Am 1. April 1959 wurde die Kampfgruppe C 2 in Panzergrenadierbrigade 4 umbenannt. Der Brigade unterstanden die Panzergrenadierbataillone 41 (mot) und 42 (mot), das Panzergrenadierbataillon 43 (Schützenpanzer), das Versorgungsbataillon 46, die Panzerpionierkompanie 40, die Panzerjägerkompanie 40 sowie die Panzeraufklärungs-kompanie 40.
Der Stationierungsraum der Panzergrenadierbrigade 4 waren das südliche Niedersachsen um Göttingen und der Großraum Kassel im Norden Hessens. Am 7. November 1961 wurde der Brigade das Feldartilleriebataillon 45 unterstellt und am 1. Januar 1962 stellte die Panzergrenadierbrigade 4 das noch fehlende Panzerbataillon 44 in Mengeringhausen bei Arolsen auf.

Heeresstruktur 3 (1970 – 1980)
Ende der sechziger Jahre hatte sich die militärpolitische Lage wesentlich geändert. Die Verstärkung der sowjetischen Luftlandekomponente und die daraus resultierende größere Gefährdung rückwärtiger Gebiete machte das Ergreifen von Gegenmaß-nahmen notwendig. Um die Großverbände an das Gelände des jeweiligen Einsatz-raums anzupassen, wurde das Jägerkonzept entwickelt. Danach wurden zwei Panzergrenadierdivisionen (die 2. und die 4.) sowie ihre Brigaden in Jägerdivisionen und -brigaden umgegliedert. Außerdem wurden den Korps Panzerregimenter und Luftlandebrigaden für den Einsatz unterstellt, die sie im Verteidigungsfall als Reserve und Mittel der Schwerpunktbildung einsetzen konnten.
Ende 1971 unterstanden den Divisionen des Feldheeres 13 Panzer-, elf Panzergrenadier-, vier Jäger-, drei Fallschirmjäger- und zwei Gebirgsbrigaden.
Als Reaktion auf die weitere Aufrüstung der Sowjetunion wurde die Bundeswehr in der zweiten Hälfte der 70er Jahre mit neuem Wehrmaterial versehen. Es handelte sich dabei um die Panzerabwehrlenkraketen HOT und MILAN, den Flugabwehrkanonenpanzer GEPARD, den Kampfpanzer LEOPARD 2, den Flugabwehrpanzer RO-LAND und den Panzerabwehrhubschrauber.

Mit Umgliederungsbefehl Nr. 98 / 70 -Heer- vom 8. Dezember 1970 wurde die Brigade in Jägerbrigade 4 umbenannt; die Panzer- (grenadier-) bataillone hießen jetzt Panzerjägerbataillone.
Im Zuge der weiteren Umgliederung des Heeres wurde das Versorgungsbataillon 46 1972 aufgelöst und im Rahmen der Neuaufstellung der Panzerbrigade 34 wurde das Panzerartilleriebataillon 45 in Göttingen geteilt und teilweise dieser neuen Brigade unterstellt.

Heeresstruktur 4 (1980 – 1992)
Diese neue Struktur war ausgelegt auf größere Flexibilität beim Einsatz der Kräfte und sollte ein schnelleres Bilden und Verlagern von Schwerpunkten im Gefecht er-möglichen. Die Umgliederung des Feldheeres in die Heeresstruktur 4 begann am 1. Oktober 1980 und war bereits Ende 1981 abgeschlossen. Die wesentlichen Veränderungen ergaben sich auf der Ebene der Brigaden und der Bataillone. Unter Beibehaltung eines hohen Präsenzgrades sollten kleinere Kampfverbände in größerer Zahl und einer somit höheren Führerdichte entstehen. Die Anzahl der Kampftruppen-bataillone erhöhte sich in den Brigaden von drei auf vier. Des weiteren wurden gemischte Panzer- und Panzergrenadierbataillone eingerichtet. Die 36 aktiven Brigaden gliederten sich in 17 Panzer-, 15 Panzergrenadier-, drei Luftlande- und eine Gebirgsjägerbrigade.

Die Einführung der Heeresstruktur 4 führte am 1. Oktober 1980 zur Umbenennung in Panzergrenadierbrigade 4. Nach der Umsetzung der Heeresstruktur 4 unterstanden dem Stab der Panzergrenadierbrigade 4 im Jahr 1980 an Kampf- und Kampfunterstützungseinheiten:
– Gemischtes Panzergrenadierbataillon 41 (Göttingen)
– Panzergrenadierbataillon 42 (Kassel)
– Panzergrenadierbataillon 43 (Göttingen)
– Panzerbataillon 44 (Göttingen)
– Panzerartilleriebataillon 45 (Göttingen)
– Feldersatzbataillon 23 (truppendienstliche Unterstellung)
sowie an Brigadeeinheiten:
– Stabskompanie (Göttingen)
– Instandsetzungskompanie 40 (Göttingen)
– Nachschubkompanie 40 (Fuldatal-Rothwesten)
– Panzerpionierkompanie 40 (Kassel)
– Panzerjägerkompanie 40 (Kassel)

Im Oktober 1980 hatte die Panzergrenadierbrigade 4 eine Stärke von 3.300 Soldaten.
1988 traf die Panzergrenadierbrigade 4 vorbereitende Maßnahmen für die Erprobung der Heeresstruktur 5 im Rahmen des Truppenversuchs „Kaderung und rascher Auf-wuchs“. Zur Vorbereitung des ab 1. Januar 1989 beginnenden Truppenversuchs mit dem Panzergrenadierbataillon 41 als Stammbataillon und dem Panzerbataillon 44 als Aufwuchsbataillon wurde ab 1. Oktober 1988 das bisherige Panzergrenadierbataillon 41in Panzerbataillon 41 umgegliedert. Der Truppenversuch endete am 30. September 1991.
Im Rahmen der Einnahme der Heeresstruktur 5 und der dadurch bedingten Auflösung der Brigade wurde als erster Truppenteil am 31. März 1992 die Panzerjäger-kompanie 40 außer Dienst gestellt. Zum 30. September 1992 wurden die Panzergrenadierbataillone 42 und 43 sowie die Panzerbataillone 44 und 41 aufgelöst. Panzerpionierkompanie 40, Nachschubkompanie 40 und Feldersatzbataillon 23 stellten zum 31. März 1993 außer Dienst. Der jüngste Verband der Panzergrenadierbrigade 4, das Panzerartilleriebataillon 45, wurde ebenfalls mit Wirkung vom 31. März 1993 aufgelöst. Stabskompanie sowie Instandsetzungskompanie wurden zum 30. September 1993 aufgelöst.
Am 24. September 1993 endete die Nutzung der Zieten-Kaserne in Göttingen als Truppenunterkunft und militärischer Sicherheitsbereich. Der letzte Göttinger Truppenteil, die Panzergrenadierbrigade 4, die seit ihrer Aufstellung im Jahr 1958 hier stationiert war, wurde mit Wirkung vom 30. September 1993 außer Dienst gestellt.

Katastropheneinsätze der Brigade erfolgten im Sommer 1960 bei der Erntenothilfe durch 500 Soldaten, vom 17. Februar – 2. März 1962 beim Einsatz während der Flut-katastrophe in Hamburg und im März bis Mai 1990 bei der Beseitigung von Sturmschäden in den Wäldern der Forstämter Kassel, Melsungen und Jühnde.

Die Zugehörigkeitszeichen der PzGrenBrig 4:

ZugehZeichen TrT Brog 4

Kommandeure Panzergrenadierbrigade 4:
BrigGen Baudissin, Graf Wolf, von 01.07.1958 – 30.06.1961
Oberst Ressèguier, Graf Oswald von 01.07.1961 – 30.09.1963
BrigGen Hinrichs, Hans 01.10.1963 – 31.03.1965
Oberst Kerschkamp, Hans-Joachim 01.04.1965 – 31.03.1968
Oberst Wagemann, Dr. Eberhard 01.04.1968 – 31.01.1970
BrigGen Thormeyer, Arndt-Diether 01.02.1970 – 30.09.1971
Oberst Bastian, Gert 01.10.1971 – 31.03.1974
Oberst Werren, Otto-Günther 01.04.1974 – 30.09.1977
Oberst Hoster, Johann 01.10.1977 – 31.07.1979
BrigGen Nebe, Hans 01.08.1979 – 31.03.1983
BrigGen Consbruch, Georg von 01.04.1983 – 31.03.1989
Oberst Albert, Bernd 01.04.1989 – 31.03.1991
Oberst Fell, Rainer 01.04.1991 – 31.03.1993
Oberst Egloffstein, Albrecht Frhr. v.u.z. 01.04.1993 – 30.09.1993

 

——————-wird fortgesetzt———————

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